Rezension: „Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen.“ von Marie Moutier

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Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation in Berlin ist in Besitz von 16.000 Briefen, die deutsche Soldaten im Laufe des zweiten Weltkrieges an ihre Verwandten daheim geschrieben haben. Die französische Germanistin und Historikerin Marie Moutier hat eine Auswahl aus dieser großen Sammlung getroffen. Chronologisch und nach Kriegsschauplätzen (Polen, Frankreich, Norwegen, Afrika, Russland, Normandie) geordnet, liefert diese Feldpost gleichsam eine Geschichte des zweiten Weltkriegs in Briefen. Sie zeigt einfache Soldaten und Gefreite, die gegenüber ihren verwandten Briefpartnern oft enormes Mitgefühl und Einfühlungsvermögen beweisen und die zugleich von der Rassenideologie des Nationalsozialismus durchdrungen sind. Jedem Brief ist jeweils ein kurzer Lebensaufriss des Absenders vorangestellt.

Verlag: Blessing

Seitenzahl: 383 Seiten

Rezension:

Ein solches Buch ist meiner Meinung nach besonders schwer zu rezensieren. Die vielen Eindrücke und Geschichten der Soldaten musste ich erst einmal ein wenig sacken lassen. Beeindruckend ist es allemal was Marie Moutier hier gelungen ist. Sie hat es geschafft auf 383 Seiten dir Briefe so zu suchen und zu drucken, dass man das Gefühl hatte bei den Soldaten zu sein und ihnen beim Schreiben über die Schulter schauen zu können.

Wichtig zu sagen ist, dass alle Menschen der damaligen Zeit immer unter dem Einfluss von Hitlers Propaganda gestanden haben. Am besten ist es, wenn man die ganze politische Situation für die Dauer des Lesens einfach ausblendet. Jeder Briefschreiber ist anders. Er hat eine andere Geschichte, andere Familienverhältnisse und einen vollkommen anderen Beruf. Die Briefe schreiben sie meist an ihre Familie. Einige schreiben auch an alte Freunde oder die Partnerin. Oftmals äußern Sie in ihren Briefen Wünsche für die Zukunft. Manchmal geben sie auch ihre Meinung zur politischen Situation wieder. Meistens haben die Soldaten jedoch über die Landschaft des Landes geschrieben, in dem sie gerade stationiert waren. Faszinierend waren auch die Hobbys, die sich die Soldaten im Krieg gesucht haben. Einige Bewundern die Architektur und Kultur der Kirchen und Museen, andere lernen das drehen von Zigaretten oder schreiben ihre Gedanken in mehr als nur Briefen nieder.

Zum Schreibstil lässt sich nicht viel sagen. Viele Briefeschreiber bedeuten nun mal, dass es nicht nur einen einzigen Stil in diesem Buch gibt. Ich muss allerdings zugeben, einige Schreiber haben mich total überfordert. Es gab viele Soldaten, die wirklich viel literarisches Wissen besaßen und gerne Buchvergleiche zurate gezogen haben. Dieser Fakt hat mich nun wirklich manchmal etwas überfordert.

Dieses Buch ist wirklich sehr berührend. Man wird zum nachdenken gezwungen und fragt sich wirklich, ob man einen seiner Liebsten in dieser Situation haben wollen würde. Man darf nicht vergessen, dass diese Soldaten Befehle ausgeführt haben, die von anderen Menschen kamen. Denn Krieg wird nun mal von Menschen entfacht und von niemandem sonst. Dieses Buch ist einfach klasse und regt wirklich zum nachdenken an. Volle Sternenzahl!

★★★★★

Ich bedanke mich recht herzlich bei dem Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar und hoffe, dass ich einige Leser für dieses Buch begeistern konnte.

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